Kategorie: Tipps / Recht & CLP | Lesezeit: 9 Minuten
Einleitung
EUH208 und H317. Zwei Codes, die ähnlich aussehen – aber ein Abgrund an Kosten, Formalitäten und Zeit trennt sie. Und doch behandeln die meisten CLP-Leitfäden sie, als wären sie dasselbe. Sind sie nicht.

Wenn Sie Duftkerzen herstellen und legal verkaufen möchten, ist das Verständnis dieses Unterschieds absolut entscheidend. Denn genau hier wird entschieden: benötigt Ihre Kerze nur eine Zeile Text auf dem Etikett – oder eine vollständige CLP-Kennzeichnung mit Piktogrammen, UFI-Code und Meldung an Giftinformationszentren in ganz Europa.
In diesem Artikel werden wir diesen Unterschied ein für alle Mal erklären, Ihnen zeigen, wie viel das Überschreiten der Schwelle kostet und wie Sie die Konzentration des Duftöls wählen, um auf der sicheren Seite zu bleiben.
1. EUH208 – Information, keine Klassifizierung
Beginnen wir mit EUH208, denn es ist einfacher. EUH208 ist ein ergänzender Informationshinweis – keine Gefahrenklassifizierung. Es erscheint auf dem Etikett, wenn Ihre Kerze eine einzelne sensibilisierende Substanz in folgender Konzentration enthält:
- 0,1–1% in der Kerze – für Substanzen, die als Skin Sens. 1 oder 1B klassifiziert sind
- 0,01–0,1% in der Kerze – für Substanzen, die als Skin Sens. 1A klassifiziert sind (stärkere Allergene, niedrigere Schwelle)
Oberhalb dieser Werte (1% für 1/1B, 0,1% für 1A) beginnt bereits die H317-Klassifizierung – mit allen Konsequenzen.
Auf dem Etikett sieht es so aus:
Enthält: Linalool. Kann allergische Reaktionen hervorrufen.
Und das war's. Eine Zeile Text. Keine Piktogramme, keine roten Rauten, kein Signalwort „ACHTUNG".
Was Sie tun müssen, wenn Sie EUH208 haben:
- ✅ Den Hinweis EUH208 auf dem Etikett anbringen (mit dem Namen der Substanz)
- ✅ Ein Sicherheitsdatenblatt besitzen (falls Sie B2B verkaufen)
- ❌ KEINE GHS-Piktogramme erforderlich
- ❌ KEIN Signalwort erforderlich
- ❌ KEIN UFI-Code erforderlich
- ❌ KEINE PCN-Meldung erforderlich
2. H317 – vollständige Klassifizierung mit allen Konsequenzen
H317 ist eine ganz andere Liga. Es ist ein Gefahrenhinweis – „Kann allergische Hautreaktionen verursachen". Es erscheint, wenn eine einzelne Substanz in Ihrer Kerze, die sensibilisiert, 1% überschreitet (für Skin Sens. 1/1B) oder 0,1% (für Skin Sens. 1A).
Eine Kerze mit H317 wird offiziell als gemischter gefährlicher Stoff eingestuft. Und das löst eine Lawine von Pflichten aus:
Was Sie tun müssen, wenn Sie H317 haben:
- ✅ GHS07-Piktogramm (Ausrufezeichen in roter Raute) auf dem Etikett
- ✅ Signalwort „ACHTUNG"
- ✅ H-Sätze (H317) und P-Sätze (P261, P272, P280, P302+P352, P333+P313, P362+P364, P501)
- ✅ Liste der für die Klassifizierung ausschlaggebenden Substanzen
- ✅ UFI-Code – generiert und auf dem Etikett angebracht
- ✅ PCN-Meldung an die ECHA – separat für jedes EU-Land, in dem Sie verkaufen
- ✅ Sicherheitsdatenblatt (auch für B2C-Verkäufe obligatorisch, wenn der Kunde es anfordert)
3. Kostenvergleich – hier liegt der Kern
Hier ist ein konkreter Vergleich, wie viel jedes Szenario Sie als Kerzenhersteller kostet:
| Keine Klassifizierung | Nur EUH208 | H317 (+ ggf. andere) | |
|---|---|---|---|
| Piktogramme auf dem Etikett | Keine | Keine | Ja (GHS07, evtl. GHS09) |
| UFI-Code | Nein | Nein | Ja |
| PCN-Meldung | Nein | Nein | Ja (pro Land!) |
| Kosten PCN (eigenständig) | - | - | Kostenlos, erfordert aber das Erlernen des ECHA-Systems |
| Kosten PCN (durch Chemiker) | - | - | 300-600 PLN pro Duft pro Land |
| Kosten PCN (durch TopWosk + Chemtra) | - | - | 125 PLN pro Duft (Polen) |
| Komplexität des Etiketts | Minimal | +1 Zeile Text | Vollständiges CLP-Etikett |
| Vorbereitungszeit | 5 Minuten | 10 Minuten | 1-3 Tage (mit PCN) |
| Aktualisierung bei Rezepturänderung | Keine | Textänderung auf dem Etikett | Neuer UFI + neue PCN-Meldung |
Sehen Sie die Größenordnung? Der Übergang von EUH208 zu H317 ist nicht „ein Piktogramm hinzufügen" – es ist die Auslösung eines gesamten Verwaltungsprozesses, der bei JEDEM Duft, JEDER Rezepturänderung und JEDEM neuen Verkaufsland Geld und Zeit kostet.
4. Wie sich das auf Ihre Konzentrationen auswirkt
Ein praktisches Beispiel. Sie haben ein Duftöl, in dem eine einzelne sensibilisierende Substanz (Kat. 1B) 20% der Ölzusammensetzung ausmacht. Bei verschiedenen Ölkonzentrationen im Wachs erhalten Sie:
| Konzentration des Öls im Wachs | Diese Substanz in der Kerze | Ergebnis |
|---|---|---|
| 4% | 0,8% | EUH208 (unter 1%) |
| 5% | 1,0% | H317 (Schwelle erreicht!) |
| 6% | 1,2% | H317 |
| 8% | 1,6% | H317 |
| 10% | 2,0% | H317 |
Der Unterschied zwischen 4% und 5% Öl ist der Unterschied zwischen „einer Zeile auf dem Etikett" und „vollständigem UFI + PCN-Verfahren für mehrere hundert Zloty". Ein Prozentpunkt.
Aber Achtung – die Schwelle betrifft nicht nur die Sensibilisierung!
Das ist ein Fehler, den die meisten Leitfäden machen. Sie betrachten nur die H317-Schwelle und sagen: „unter 5% sind Sie sicher". Aber die tatsächliche Klassifizierungsschwelle ist die niedrigste Schwelle aller Gefahrenklassen – nicht nur der Sensibilisierung.
Ein konkretes Beispiel aus unserer Praxis: Ein Öl, dessen H317-Schwelle 2,28% betrug (Sensibilisierung), hatte gleichzeitig eine Schwelle für Aquatic Chronic 3 (H412) von 1,75%. Jemand, der nur die Sensibilisierung betrachtete und 2% des Öls verwendete, dachte, er sei „sauber" – dabei hatte er ab 1,75% bereits die Pflicht zur Umweltkennzeichnung.
Deshalb geben wir bei TopWosk eine Klassifizierungsschwelle für jedes Öl an – die niedrigste aller Gefahrenklassen. Sie müssen nicht separat die Sensibilisierung, die Umwelt und die Reizungen überprüfen. Sie sehen eine Zahl und wissen Bescheid.
5. Warum das bei der Auswahl des Öls wichtig ist
Nicht alle Öle sind gleich. Hier ist, wie ein Vergleich von zwei Düften aus unserem Angebot aussehen könnte:
| Öl A (z.B. Schokolade) | Öl B (z.B. Zitrus-würzig-krautig) | |
|---|---|---|
| Klassifizierungsschwelle | ~10% | ~1,75% |
| Bei 6% | Keine Klassifizierung | H317 + H412 + UFI + PCN |
| Bei 8% | EUH208 (möglicherweise) | H317 + H412 + UFI + PCN |
| Bei 10% | EUH208 | H317 + H412 + UFI + PCN |
| Kosten der Formalitäten bei 6% | 0 PLN | 100-600 PLN |
Der gleiche Prozentsatz Öl, das gleiche Wachs, der gleiche Herstellungsprozess – aber völlig unterschiedliche rechtliche und finanzielle Konsequenzen. Die Wahl des Duftes ist nicht nur eine Frage dessen, was gut riecht – es ist auch eine Geschäftsentscheidung.
6. Strategie zur Konzentrationswahl – wie man es klug macht
So gehen erfahrene Hersteller vor:
Strategie 1: „Immer unter der Schwelle"
Sie wählen die Ölkonzentration so, dass sie immer unterhalb der Klassifizierungsschwelle liegt. Bei Ölen mit einer hohen Schwelle (z.B. 10%+) können Sie problemlos 6-8% verwenden. Bei Ölen mit einer niedrigen Schwelle (z.B. 2%) müssen Sie bei 1,5% bleiben. Vorteil: keine zusätzlichen Formalitäten. Nachteil: einige Kerzen werden weniger intensiv riechen.
Strategie 2: „EUH208-Zone"
Sie zielen auf eine Konzentration ab, die EUH208, aber nicht H317 ergibt – d.h. die sensibilisierende Substanz liegt zwischen 0,1% und 1% in der Kerze. Sie haben die Information auf dem Etikett, aber ohne Piktogramme und ohne UFI/PCN. Dies ist der „goldene Mittelweg" für viele Hersteller.
Strategie 3: „Volle Leistung mit Dokumentation"
Sie möchten eine stärkere Kerze und akzeptieren die Kosten von H317 – Piktogramme, UFI, PCN. Das ist in Ordnung! Eine Kerze mit H317 ist vollkommen legal. Aber Sie müssen wissen, wie viel es kostet und planen. Mit der fertigen Dokumentation von TopWosk betragen die PCN-Kosten 125 PLN (über unseren Partner – die Firma Chemtra) statt 300-600 PLN bei einem externen Chemiker.
Praktischer Tipp: Es gibt keine einzelne „richtige" Strategie. Es hängt von Ihrem Geschäftsmodell, der Anzahl der Düfte und dem Zielmarkt ab. Aber um bewusst wählen zu können, müssen Sie die Schwellen Ihrer Öle kennen. Bei TopWosk geben wir diese für jedes Produkt an.
7. Häufige Mythen
„EUH208 ist dasselbe wie H317, nur eine mildere Version" – Nein. EUH208 ist eine ergänzende Information, keine Gefahrenklassifizierung. H317 ist eine Klassifizierung. Das ist wie der Unterschied zwischen einer „Gesundheitswarnung auf Kaffee" und einem „Rezept für ein Medikament". Eine völlig andere rechtliche Kategorie.
„Wenn ich EUH208 habe, brauche ich UFI" – Nein. UFI ist nur bei der Einstufung als gefährliches Gemisch aufgrund von Gesundheits-/physikalischen Gefahren erforderlich. EUH208 selbst ist keine solche Klassifizierung.
„Wenn ich die Konzentration unter die H317-Schwelle senke, kann ich EUH208 ignorieren" – Nicht ganz. Wenn eine einzelne sensibilisierende Substanz über 0,1% in der Kerze liegt, ist EUH208 weiterhin erforderlich. Die EUH208-Schwelle (0,1% pro Substanz) ist niedriger als die H317-Schwelle (1% pro Substanz).
„6% Öl ist immer sicher" – Es gibt keine universell sichere Konzentration. Ein Öl mit einer Schwelle von 30% ist auch bei 12% sicher. Ein Öl mit einer Schwelle von 1,5% erfordert bereits bei 2% eine vollständige Klassifizierung. Jedes Öl hat seine eigene Schwelle.
Zusammenfassung
Der Unterschied zwischen EUH208 und H317 ist keine Nuance – es ist eine Entscheidung, die die Kosten, die Zeit und die Komplexität des Verkaufs jeder Ihrer Kerzen beeinflusst. EUH208 = eine Zeile Text. H317 = Piktogramme + UFI + PCN + Hunderte von Zloty für Formalitäten.
Drei Dinge, die man sich merken sollte:
- EUH208 ≠ H317 – dies sind grundlegend unterschiedliche Rechtskategorien mit unterschiedlichen Konsequenzen
- Klassifizierungsschwelle = niedrigste Schwelle aller Klassen – schauen Sie nicht nur auf die Sensibilisierung, prüfen Sie auch Umwelt und andere Gesundheitsgefahren
- Bewusste Konzentrationswahl = echte Ersparnis – ein Unterschied von 1 Prozentpunkt kann Hunderte von Zloty weniger Formalitäten bedeuten
Bei TopWosk geben wir die Klassifizierungsschwelle für jedes Öl an – die niedrigste aller Gefahrenklassen. Sie erhalten auch fertige Sicherheitsdatenblätter in drei Konzentrationen (6%, 8%, 10%), damit Sie bewusst wählen können. Und wenn Ihre Kerze PCN benötigt, arbeiten wir mit der Firma Chemtra zusammen – die Meldung kostet 125 PLN (statt 300-600 PLN bei einem externen Chemiker). Voraussetzung: Das SDB muss von TopWosk stammen. Schauen Sie sich unsere Duftöle an →