Hast du jemals dein ganzes Herzblut in die Herstellung deiner eigenen Kerze gesteckt, den schönsten Duft und das perfekte Glas ausgesucht – und dann … eine riesige Enttäuschung erlebt? Du zündest sie an, und die Flamme flackert kaum oder qualmt wie ein Fabrikschornstein. Ich kenne diesen Schmerz. Als ich mit dem Kerzenmachen anfing, dachte ich, Wachs und Duft wären zu 90 % das A und O. Wie sehr ich mich doch geirrt habe!
Tatsächlich ist der Docht das Herzstück Ihrer Kerze . Er entscheidet darüber, ob das Wachs ein wunderschönes Licht entfaltet oder nur ein trauriger Tunnel in der Mitte des Glases bleibt. Ein unpassender Docht kann selbst das beste Wachs ruinieren, während ein gut gewählter Docht sein volles Potenzial entfaltet.
Heute klären wir alle Ihre Fragen. Sie fragen sich, wie Sie den richtigen Docht für Ihre Kerze auswählen? Ist eine klassische Kordel besser oder ein trendiger Holzdocht? Machen Sie es sich mit einer Tasse Kaffee gemütlich – los geht's!
Woraus besteht ein Kerzendocht?
Auf den ersten Blick wirkt ein Docht wie ein einfacher Faden. Doch bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass dahinter eine ausgeklügelte Technik steckt. Woraus besteht ein Kerzendocht? Meistens aus reiner Baumwolle, aber das ist nicht die einzige Möglichkeit.
Man kann sich einen Docht als ein System von Röhren (ähnlich einem Strohhalm) vorstellen, das geschmolzenes Wachs nach oben direkt zur Flamme transportiert. Um sicherzustellen, dass dieser „Strohhalm“ effizient funktioniert und nicht verstopft, verwenden die Hersteller verschiedene Materialien und Webarten:
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Rohe oder gebleichte Baumwolle: Ein Klassiker. Diese Naturfaser saugt Wachs sehr gut auf. Dochte sind oft flach oder rund geflochten.
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Dochtkerne (Versteifungen): Baumwolle allein ist manchmal zu weich (besonders bei großen Kerzen). In solchen Fällen wird ein dünner Zinkdraht, Papier oder Leinen in den Kern eingewebt. Dadurch steht der Docht im geschmolzenen Wachs aufrecht und kippt nicht um.
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Holz: Immer beliebter, insbesondere bei Sojakerzen. Diese dünnen Holzstreifen (meist von Obst- oder exotischen Bäumen) brennen nicht nur anders, sondern klingen auch anders!
Die Wahl des Materials ist nicht nur eine Frage der Ästhetik. Sie bestimmt auch, wie heiß die Flamme wird und wie schnell Ihre Kerze ihren Duft freisetzt.
Arten von Kerzendochten und ihre Verwendung
Sie betreten einen Kerzenladen und sehen Hunderte von Etiketten: ECO, VRL, TCR, ST, Holz… Das kann ganz schön verwirrend sein. Keine Sorge, wir erklären es Ihnen Schritt für Schritt. Kerzendochte werden hauptsächlich nach ihrer Konstruktion und ihrem Verwendungszweck unterschieden.
1. Flache Baumwolldochte
Hierbei handelt es sich in der Regel um Standardzöpfe. Sie sind bei Paraffinkerzen sehr beliebt, können aber bei dickflüssigeren Naturwachsen etwas knifflig sein. Sie neigen dazu, sich beim Abbrennen leicht zu biegen (bekannt als Selbsttrimmen), was ein großer Vorteil ist.
2. Runde und quadratische Baumwolldochte
Hier kommen wir in die Kategorie der Schwergewichte. Sie sind robuster und dichter gewebt. Wenn Sie sich fragen, welchen Docht Sie für Bienenwachskerzen wählen sollten , sind Sie hier genau richtig. Bienenwachs ist dickflüssig, klebrig und schwer zu verbrennen – es benötigt einen Docht mit fester Webart, der das Brennmaterial nach oben zieht.
3. Holzdochte
Flache Holzleisten, manchmal einzeln, manchmal mit einer Verstärkung (einer zusätzlichen Holzleiste in der Mitte), eignen sich ideal für moderne Glaskerzen. Sie wirken edel und erzeugen eine breitere Flamme als eine Schnur.
4. Spezialdochte (z. B. ECO-, CD-, VRL-Serie)
Diese Baumwolldochte sind speziell für Pflanzenwachse entwickelt. Sie enthalten eingewebte Papierfäden, die für einen stabilen Abbrand sorgen. Wenn Sie Sojakerzen herstellen, sind diese Dochte unverzichtbar.
Wie wählt man den richtigen Docht für eine Sojakerze aus?
Sojawachs ist bei Hobbyisten sehr beliebt – es ist natürlich, unbedenklich und leicht erhältlich. Allerdings kann es etwas knifflig sein. Es ist dichter als Paraffin, was bedeutet, dass es schwieriger zu schmelzen und den Docht hinaufzutragen ist.
Wie wählt man also den richtigen Docht für eine Sojakerze aus, um ein Desaster zu vermeiden?
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Messen Sie den Durchmesser Ihres Gefäßes: Das ist absolut entscheidend. Sie müssen wissen, wie breit Ihr Gefäß innen ist. Sie benötigen einen Docht für eine Tasse (5 cm Durchmesser) und einen weiteren für ein breites Glas (8 cm Durchmesser).
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Achten Sie auf speziell dafür entwickelte Produkte: Kaufen Sie nicht einfach ein Produkt, das nichts mitbringt. Greifen Sie zu Produkten, die sich für Soja bewährt haben, wie zum Beispiel Baumwolldochte der Serien CD , ECO oder VRL . Diese wurden entwickelt, um die Klebrigkeit von Soja zu verhindern.
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Die „eine Nummer größer“-Regel: Wenn der Dochthersteller angibt, dass eine bestimmte Größe für einen Durchmesser von 7 cm geeignet ist und Sie Sojawachs mit einem hohen Anteil an Duftölen oder Farbstoffen verwenden, wählen Sie eine größere Größe. Zusatzstoffe (Duftstoffe, Farbstoffe) verstopfen den Docht, wodurch ein leistungsstärkerer Motor benötigt wird.
Welcher Sojakerzendocht eignet sich am besten für Anfänger? Meiner Meinung nach sind die Serien CD oder Stabilo die besten. Sie sind unkompliziert für Einsteiger und bilden selten eine unschöne, verkohlte Kugel (sogenannte „Pilzbildung“).
Holz- oder Baumwolldocht – welchen sollte man wählen?
Es ist ein bisschen wie die Wahl zwischen einem Sportwagen und einem komfortablen Kombi. Beide bringen Sie ans Ziel, aber das Fahrgefühl ist unterschiedlich. Stellen Sie sich folgendes Dilemma vor: Holz oder Baumwolle ?
Baumwolldocht – Vorteile und Nachteile
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Für wen: Für Traditionalisten und Menschen, die auf eine gleichmäßige Verbrennung Wert legen.
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Vorteile: Einfache Bedienung, günstiger Preis, große Auswahl an Größen, berechenbare Flamme.
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Nachteile: Raucht manchmal, kann am Ende "Pilze" bilden, sieht gewöhnlich aus.
Holzdocht – Vorteile und Nachteile
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Für wen: Für alle, die Atmosphäre, den „Wow“-Effekt und das Geräusch eines Kamins suchen.
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Vorteile: Sieht wunderschön aus (ASMR-Effekt!), sieht modern aus, verströmt einen tollen Duft (eine breitere Flamme lässt das Wachs schneller schmelzen).
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Nachteile: Schwierigere Auswahl. Wie wählt man einen Holzdocht für eine Kerze? Der Spielraum für Fehler ist geringer. Ist er zu schwach, erlischt die Kerze. Ist er zu stark, kocht das Wachs. Außerdem muss er vor jedem Anzünden (nur ganz kurz!) gekürzt werden.
Fazit: Wenn Sie eine Kerze als Geschenk herstellen und diese besonders exklusiv gestalten möchten, wählen Sie Holz. Wenn Sie hingegen eine Kerze für den täglichen Gebrauch herstellen und Wert auf Stabilität legen, ist Baumwolle die sicherere Wahl.
Dochtdicke und Kerzeneffizienz
Wir sind beim wichtigsten Punkt des Programms angelangt. Man kann das beste Wachs und das teuerste Öl haben, aber wenn die Dochtdicke der Kerze nicht stimmt, ist alles umsonst.
Warum ist das so wichtig? Es handelt sich um das sogenannte Schmelzbecken . Dabei handelt es sich um die Ansammlung flüssigen Wachses, die sich um den Docht bildet. Die Regel ist einfach: Das Wachs sollte innerhalb von etwa zwei bis drei Stunden Brenndauer bis an die Wände des Gefäßes geschmolzen sein.
Szenario A: Der Docht ist zu dünn
Die Flamme ist klein und schwach. Das Wachs schmilzt nur in der Mitte und hinterlässt eine dicke Schicht unberührten Wachses an den Wänden. Dadurch entsteht ein sogenannter Tunnel. Die Kerze ist verschwendet, da nur die Mitte abbrennt – Geldverschwendung und Frust.
Szenario B: Der Knoten ist zu dick
Die Flamme ist riesig, lodert und züngelt. Die Kerze brennt schnell ab. Das Glas wird gefährlich heiß (es könnte sogar platzen!). Schwarzer Rauch quillt aus dem Docht und färbt alles um sich herum mit Ruß. Statt eines angenehmen Duftes riecht die Kerze bestialisch nach Verbranntem.
Wie findet man den goldenen Schnitt?
Führen Sie unbedingt Kraftstoffverbrauchstests durch. Vertrauen Sie nicht blindlings den Herstellerangaben – diese dienen lediglich als Richtlinie.
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Stellen Sie eine Testkerze ohne Duft her.
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Zünde es an und stoppe die Zeit.
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Wenn nach 2-3 Stunden das Wachs die Wände des Gefäßes berührt hat und die Flamme gleichmäßig brennt, herzlichen Glückwunsch! Sie haben den Jackpot geknackt.
Zusammenfassung
Die Wahl des richtigen Dochtes erfordert Kompromisse und ständiges Ausprobieren. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Ihre erste Kerze nicht perfekt gelingt. Selbst die größten Hersteller testen ihre Produkte dutzende Male, bevor sie sie auf den Markt bringen.
Vergiss die goldene Dreifaltigkeit nicht:
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Wachsart: Soja- und Bienenwachs benötigen dickere und stärkere Dochte als Paraffin.
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Durchmesser des Glases: Messen Sie den Innendurchmesser des Glases sorgfältig aus.
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Zusätzliche Hinweise: Viel Duftstoff und Farbstoff = ein Docht in einer Nummer größer erforderlich.
Ob Sie sich für das nostalgische Knistern von Holz oder das klassische Flackern von Baumwolle entscheiden – die Freude, eine handgefertigte, perfekt brennende Kerze anzuzünden, ist unbezahlbar. Viel Erfolg in Ihrer Werkstatt!