Jeder, der jemals Kerzen hergestellt hat, weiß, dass die Wahl der richtigen Zutaten entscheidend ist. Besonders wichtig ist dabei die Schmelztemperatur des Wachses. Es ist ein bisschen wie beim Kuchenbacken – wenn du den Ofen falsch einstellst, wird der Kuchen nicht perfekt. Dasselbe gilt für Kerzen. Die Schmelztemperatur beeinflusst Qualität, Aussehen und sogar die Haltbarkeit der Kerze. In diesem Artikel betrachten wir dieses Thema genauer, damit deine Kerzen immer perfekt gelingen.
Was ist die Schmelztemperatur von Wachs und warum ist sie bei der Kerzenherstellung wichtig?
Die Schmelztemperatur von Wachs ist der Punkt, an dem Wachs vom festen in den flüssigen Zustand übergeht. Stell dir einen Eiswürfel in der heißen Sonne vor – nach und nach wird er zu Wasser. Ähnlich verhält sich Wachs. Diese Temperatur beeinflusst, wie die Kerze brennt, wie lange und wie gleichmäßig. Eine zu niedrige Schmelztemperatur kann dazu führen, dass die Kerze schnell schmilzt und ungleichmäßig abbrennt. Eine zu hohe Temperatur kann das richtige Gießen erschweren und die Optik des Endprodukts beeinträchtigen.
Arten von Wachsen – Schmelztemperaturen von Soja-, Bienen- und Paraffinwachs
Jedes Kerzenwachs hat einen einzigartigen Charakter und vor allem eine eigene Schmelztemperatur. Dieses Wissen hilft dir, bewusst zu entscheiden, welches Wachs für dein Projekt am besten geeignet ist.
Natürliche Wachse
In den letzten Jahren sind natürliche Wachse sehr beliebt geworden. Sie sind ökologisch, biologisch abbaubar und stammen häufig aus erneuerbaren Quellen. Sie brennen sauberer und langsamer als ihre paraffinhaltigen Gegenstücke.
Sojawachs
Ein absoluter Favorit unter Handwerkern. Sojawachs ist weich, cremig und gibt Düfte hervorragend wieder. Entscheidend ist jedoch die Unterscheidung der beiden Haupttypen:
-
Container-Blends: Ihre Schmelztemperatur liegt niedriger, meist zwischen 43–52 °C. Sie sind so konzipiert, dass sie perfekt an den Gefäßwänden haften. Aufgrund ihrer weichen Struktur eignen sie sich nicht für freistehende Kerzen.
-
Pillar-Blends: Diese Mischungen sind härter, oft mit anderen natürlichen Wachsen (z. B. Raps- oder Bienenwachs) oder Stearin, das als Härter wirkt. Ihre Schmelztemperatur liegt höher, zwischen 54–60 °C, was stabile, freistehende Kerzen ermöglicht.
Eigenschaften von Sojawachs, wie die Neigung zu „Frosting“ oder ungleichmäßiger Oberfläche nach dem Erstarren, hängen stark von der Temperatur ab. Präzise Kontrolle beim Gießen und Abkühlen ist hier entscheidend.
Bienenwachs
Das älteste bekannte Material zur Kerzenherstellung. Es hat einen schönen, natürlichen Honigduft und goldene Farbe. Seine Schmelztemperatur liegt bei 61–67 °C. Bienenwachskerzen brennen dadurch sehr lange und hell. Es ist ein hartes Wachs, ideal für Säulenkerzen, Rollenkerzen (aus Waben) und kleine Motive. Allerdings ist es teurer und anspruchsvoller in der Verarbeitung – es schrumpft beim Abkühlen, weshalb manchmal Nachgießen nötig ist, um die Oberfläche zu glätten.
Kokoswachs
Ein Premiumwachs, geschätzt für seine schöne, weiße Farbe, langsames Abbrennen und exzellente Dufttrageigenschaften. Die Schmelztemperatur von Kokoswachs ist niedrig, meist zwischen 39–48 °C. Deshalb wird es fast immer in Mischungen, meist mit Sojawachs, verwendet, um Glätte, Haftung am Glas und Frosting zu verbessern. Allein ist es selbst für Kerzen in Gefäßen zu weich, besonders in wärmeren Klimazonen.
Rapswachs
In Europa zunehmend beliebt als lokale, nachhaltige Alternative zu Soja. Seine Eigenschaften ähneln stark Sojawachs. Die Schmelztemperatur liegt meist bei 42–50 °C. Wie Sojawachs eignet es sich für Kerzen in Gefäßen, nimmt Düfte und Farbstoffe gut auf, kann jedoch bei der Oberflächenglätte etwas eigenwilliger sein und erfordert Geduld sowie Experimente mit der Gießtemperatur.
Palmenwachs
Ein kontroverses Wachs aus ökologischen Gründen; zertifizierte RSPO-Quellen sind empfehlenswert. Seine Besonderheit ist die Bildung schöner, kristalliner Muster, ähnlich Raureif auf Fenstern. Dieser Effekt hängt von der Gießtemperatur und der Abkühlgeschwindigkeit ab. Die Schmelztemperatur von Palmenwachs liegt bei 55–65 °C, wodurch es sich hervorragend für harte, dekorative freistehende Kerzen eignet.
Mineralische und synthetische Wachse
Obwohl natürliche Wachse immer beliebter werden, haben traditionelle Wachse dank Vielseitigkeit und Vorhersagbarkeit weiterhin ihre Berechtigung in der Kerzenherstellung.
Paraffin
Ein Nebenprodukt der Erdölraffination und jahrzehntelang das weltweit beliebteste Wachs. Es ist günstig, leicht verfügbar und extrem vielseitig. Die Schmelztemperatur von Paraffin reicht von etwa 45 °C für weiche Gießparaffine bis über 71 °C für sehr harte Mischungen zum Schnitzen oder für Säulenkerzen. Paraffin gibt Düfte besonders gut wieder und erlaubt leuchtende, intensive Farben. Die Zugabe von Stearin (meist 10 %) erhöht die Schmelztemperatur, die Härte und verbessert die Farbabdeckung.
Warum ist die richtige Schmelztemperatur beim Gießen wichtig?
Die Wahl der idealen Gießtemperatur ist wie das Eingießen von Kuchenteig in die Form – sie muss perfekt sein, um Luftblasen oder Risse zu vermeiden. Sojawachs wird am besten bei ca. 50–60 °C gegossen, Bienenwachs und Paraffin bei höheren Temperaturen, ca. 70–80 °C. So erhält die Kerze eine glatte Oberfläche und brennt gleichmäßig.
Bei zu niedriger Temperatur füllt das Wachs die Form nicht vollständig aus, was zu ungleichmäßiger Oberfläche oder Hohlräumen führen kann. Bei zu hoher Temperatur kühlt das Wachs sehr langsam ab, wodurch Risse entstehen können.
Welches Wachs sollte man je nach Schmelztemperatur wählen?
Für eine Kerze, die lange und gleichmäßig brennt, wähle Wachs mit höherer Schmelztemperatur, z. B. Bienenwachs oder spezielle Paraffinmischungen. Für dekorative Duftkerzen, die schnell Aroma abgeben, eignet sich Sojawachs am besten.
Stell dir vor, du wählst Kleidung passend zum Wetter – im Sommer trägt man lieber leichte T-Shirts als dicke Pullover. Genauso sollte die Wahl des Wachses vom gewünschten Effekt abhängen. Die richtige Schmelztemperatur hilft dir, dein Kerzenprojekt optimal umzusetzen.
Wie die Schmelztemperatur die Brenndauer und Haltbarkeit beeinflusst
Hast du dich schon einmal gefragt, warum zwei Kerzen gleicher Größe unterschiedlich schnell abbrennen? Die eine ist im Nu weg, die andere begleitet dich viele Abende. Die Antwort liegt erneut in der Schmelztemperatur des Wachses.
Hier gilt eine einfache, aber entscheidende umgekehrte Proportionalität: Je niedriger die Schmelztemperatur, desto länger brennt die Kerze. Klingt paradox? Ich erkläre es: Die Flamme muss genug Energie erzeugen, um das Wachs um den Docht herum zu schmelzen und einen sogenannten „Schwimmbad“ zu bilden. Dieses flüssige Wachs wird dann durch Kapillarwirkung nach oben gesogen und erhält die Flamme.
Wachs mit niedriger Schmelztemperatur (z. B. Soja, Kokos) benötigt weniger Wärme zum Schmelzen. Die Flamme „arbeitet“ weniger hart und verbraucht daher weniger Wachs pro Minute. Das Ergebnis: langsameres, sparsames Abbrennen. Deshalb werden Sojawachskerzen oft mit bis zu 50 % längerer Brenndauer als Paraffinprodukte beworben.
Wachs mit hoher Schmelztemperatur (z. B. Bienenwachs, Palmwachs, harte Paraffinmischungen) benötigt deutlich mehr Energie zum Schmelzen. Die Flamme ist intensiver, verbraucht mehr Wachs und die Kerze brennt schneller ab.
Häufige Fehler bei der Wachs-Temperatur
Auch erfahrene Kerzenhersteller machen Fehler. Die häufigsten sind:
- Zu schnelles Abkühlen – wenn die Kerze zu schnell abkühlt, kann sie reißen. Lass ihr Zeit zum langsamen Abkühlen.
- Unzureichendes Mischen – wenn das Wachs die richtige Temperatur nicht erreicht, verteilen sich Zusätze wie Öle oder Farbstoffe schlecht.
- Herstellerangaben ignorieren – jedes Wachs hat seine Empfehlungen für Schmelz- und Gießtemperaturen. Betrachte sie wie ein Rezept – es lohnt sich, sie zu beachten.
Denke daran: Kerzenherstellung ist ein Prozess, bei dem Details entscheidend sind. Die Schmelztemperatur ist einer der wichtigsten Faktoren, die bestimmen, ob deine Kerze perfekt oder nur „okay“ wird. Berücksichtige sie sorgfältig, und die Ergebnisse werden dich positiv überraschen.
Kerzenherstellung ist nicht nur Handwerk, sondern auch Kunst. Mit dem richtigen Wissen über Schmelztemperaturen kannst du gewöhnliches Wachs in ein echtes Meisterwerk verwandeln. Ich wünsche dir viele erfolgreiche Kerzenexperimente!